„Platz und Raum für Kinder im Stadtgefüge zu finden und zu gestalten, das ist ein wahnsinnig wichtiges Thema“, erzählt Katharina Spielmann als sie auf ihre Zeit bei Schulterblick zurückblickt. Die heutige Psychologin war seit 2015 einige Jahre bei uns im Team.

„Der Kern der Sache ist für mich den Kindern auch etwas zuzutrauen. Das finde ich das Ausschlaggebende beim Schulterblick-Konzept. Es ist toll sich mit den Kindern mit dem Thema Radfahren zu beschäftigen und es gleich auszuprobieren.“ führt Katharina weiter aus.

Katharina und Marlene Mellauner waren zuvor beide bei den Kinderfreunden in der Parkbetreuung tätig, zufällig in einem Team und haben über ein paar Sommer in einem Park im 22. Bezirk Kindern niederschwellige Freizeitangebote gestaltet.

Weit mehr als Üben

Mit Kindern im Straßenverkehr unterwegs zu sein, ist für Katharina immer mehr als Üben: Es ist eine großartige Gelegenheit das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen von Kindern zu stärken. „Sicherheit ist der wichtigste Aspekt, aber die Radfahrkurse werden mit dem Anspruch kombiniert, dass wir auch Kinder ausprobieren lassen – da ist Schulterblick einzigartig!“

„Im letzten Jahr hab‘ ich das Gefühl, dass das Radfahren extrem wichtig geworden ist und auch in der breiten Masse ankommt. Schulterblick wächst, diese Art der Arbeit wird immer wichtiger: Viele Menschen fahren jetzt wieder Rad – sicher auch ein Effekt der Pandemie.“, reflektiert Bernhard Wögerer. Er ist über Beatrice Stude ins Team gekommen und ist ausgebildeter Pädagoge, der zudem seit zweieinhalb Jahren unter anderem auch als Radlieferant tätig ist.

Miteinander kommunizieren

Durch Schulterblick begann Bernhard vermehrt die unterschiedlichen auch teilweise skurrilen Verkehrssituationen zu analysieren: Wie beispielsweise in Wiener Neustadt, wo es eine Radüberfahrt gibt und zugleich eine Stopptafel – somit Vorrang haben und Vorrang geben zugleich. Auch Beatrice Stude ist dieses Beispiel aus den Radfahrkursen für Schulklassen gut im Gedächtnis geblieben: „Ich hab‘ den Kindern das dann immer so erklärt: Wir haben da selber intern diskutiert. Und unsere Analyse ergibt das und das. Dabei hab‘ ich offengelassen, ob das jetzt der Weisheit letzter Schluss ist.“ Die Kinder sind erstaunt, wenn wir besprechen, dass nicht immer alles eindeutig ist – so manches Auslegungssache. Unsere Lösung für solche Situationen: Miteinander kommunizieren – also mit den anderen Verkehrsteilnehmer*innen Kontakt aufnehmen.

Solange große Teile der Stadt für Erwachsene und Autofahren ausgelegt sind – wie sollen da Kinder jemals ihren Platz einnehmen können? – eine Frage, die viele beschäftigt.

Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf das Radfahren in der Stadt und trauen den Kindern das Fahren im Straßenverkehr zu. Nach dem Üben im Schonraum können wir das (Fahr-)Verhalten der Kinder gut einschätzen und in den Kleingruppen bei den Ausfahrten individuell auf sie eingehen. Neben der Sicherheit ist uns gesellschaftliche Teilhabe, kombiniert mit den ökologischen und gesundheitlichen Aspekten, sehr wichtig. Im Theorieteil unserer Radfahrkurse für Schulklassen fragen wir die Kinder: Warum glaubt ihr wird das Radfahren immer beliebter? – Da kommt von den Kindern viel, weil Kinder einfach sehr viel mitbekommen, viel mehr als wir Erwachsene oft glauben.

Beatrice Stude hat nach einem Radsturz, sie musste einem kleinen radelnden Jungen ausweichen, großes Potenzial und Bedarf in der Arbeit mit Kindern gesehen: Die Stadt gemeinsam zu ändern und mehr Platz für Menschen und fürs Radfahren zu beanspruchen. Ein Anliegen, das sie schon lange beruflich, als selbständige Stadtplanerin und als Engagierte in Initiativen verfolgt. Sie ist seit einem Jahr bei uns als Radfahrlehrerin tätig und leitet die Öffentlichkeitsarbeit.

Das was bleibt

Neben den ganzen tollen Erfahrungen, die Katharina bei Schulterblick machen konnte, ist vor allem eines nach den vielen Jahren geblieben: Das Kommunizieren im Straßenverkehr. Ähnlich beobachten das Beatrice und Bernhard bei sich selbst. Ihr Blick für die Infrastruktur hat sich weiter geschärft: Oft macht es Spaß diese zu analysieren, manchmal ist es aber auch einfach nur frustrierend. Beatrice geht seither entspannter mit den eigenen und den Fehlern anderer um. Bernhard ist achtsamer in gewissen Situationen geworden und praktiziert den Schulterblick viel konsequenter.

„Besser als jede Image-Kampagne für das Radfahren wäre es, wenn du jeden Tag Kinder Radfahren üben siehst.“

ist Beatrice überzeugt, Bernhard stimmt zu „Das Gute beim Radfahren ist: Du verkaufst ja kein Produkt, dass eigentlich keiner braucht – wie es so oft im Marketing der Fall ist. Radfahren ist ein Selbstläufer – quasi Selbstfahrer: Sobald man anfängt sich regelmäßig aufs Rad zu setzen merkt man was es für einen selber macht – die Bewegung, das gute Gefühl aktiv mobil zu sein – für mich ist Radfahren zur Lebenseinstellung geworden.“


Dieser Beitrag ist Teil unseres Rückblicks auf 10 Jahre Schulterblick: Wir feiern 10 Jahre!