Vor 10 Jahren haben wir mit Radfahrkursen für Schulklassen begonnen: Wir üben zuerst im Schonraum, dann im Verkehrsraum und konzentrieren uns auf ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer:innen. Bis heute sind Schulklassenkurse unser Schwerpunkt: Wir sind die einzigen in Wien und Niederösterreich, die im Straßenverkehr Radfahren üben und im Kurs die Vorteile für unsere Umwelt und unser Klima vermitteln. 

„Das Besondere an den Schulterblick-Radfahrkursen für Schulklassen wird vielen oft erst auf den zweiten Blick oder nach einem Kursbesuch bewusst.“

Auf den ersten Blick ist es einfach eine gute Sache, Radfahrkurse mit Kindern im Verkehrsraum anzubieten. Erst im Gespräch wird klar, was das eigentlich genau bedeutet: Wie kommt eine Lehrkraft mit 25 Kindern plus 25 Rädern zum Standort? Ach, es gibt für alle Kinder Fahrräder? Auch für die Begleitpersonen? Und wie groß ist das Team? – Fünf Radfahrlehrer:innen plus drei Begleitpersonen braucht es, denn nur dieser hohe Betreuungsschlüssel ermöglicht das sichere Üben in der Verkehrswirklichkeit.“, erläutert Marlene Mellauner, was alles zu bedenken und zu organisieren ist. Marlene ist Mastertrainerin bei uns.  

Unser Schulterblick-Konzept

Wir beziehen jedes Kind mit ein, denn unsere Radfahrkurse sind ein Angebot für die gesamte Schulklasse. Wenn es Kinder gibt, die noch nie mit dem Rad gefahren sind, laden wir sie ein, Radfahren zu lernen – viele können es nach dem Kurs: Mit fünf zertifizierten Radfahrlehrer:innen pro Schulklassenkurs haben wir die personellen Ressourcen, flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Und, mit vier Stunden pro Kurs haben wir die Zeit, sie in ihrem Tempo Fahr- und Kommunikationsfähigkeiten entwickeln zu lassen. Das ist unser Standard, des nun schon über ein Jahrzehnt erprobten und immer weiter verfeinerten Schulterblick-Konzeptes, das sich bestens bewährt hat. 

Im Radfahrkurs folgt nach dem Radfahren im Schonraum die Ausfahrt im Straßenverkehr – für viele Kinder das Highlight. Dazu teilen wir die Kinder oder Jugendlichen in kleine Gruppen von maximal fünf Personen ein. Vorneweg fährt ein:e Radfahrlehrer:in und hintennach eine Begleitperson oder eine Lehrkraft. Dabei tragen wir alle Signalwesten, um den Übungscharakter der Ausfahrt sichtbar zu machen. 

Radfahren üben im Straßenverkehr

Im Stadt- oder Gemeindezentrum finden wir ideale Bedingungen für unsere Radfahrkurse vor. Hier bietet sich ein optimales Übungsfeld für das Gestalten von Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen. Von uns vor Ort bereitgestellte Räder und Helme stellen sicher, dass die Kinder straßenverkehrstauglich ausgestattet sind und es erspart den Eltern und Lehrer:innen den Transport der Fahrräder. So können die Ausfahrten mitten in der Stadt im Straßenverkehr auf geeigneten Routen erfolgen. Zudem werden wir hier sehr gut wahrgenommen und fördern das Bewusstsein für kinderfreundliche Mobilität – insbesondere fürs Radfahren. 

„Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, wo wir durch die Ringstraße [Ring-Rund Radweg] gefahren sind. Das war nämlich das erste Mal für mich, dass ich mit dem Fahrrad auf der Straße gefahren bin. Es war wirklich ein tolles Erlebnis und das Team einfach wunderbar.“, auf Initiative einer Lehrerin erhielten wir 2016 nach einem Radfahrkurs Post von den Kindern.

Dieses Lob möchten wir gern auch an die Eltern, Lehrer:innen, Direktor:innen, Fördergeber:innen und die städtischen Verwaltungen weitergeben, denn sie alle tragen im Hintergrund dazu bei, dass unsere Radfahrkurse stattfinden können.  

Solche Briefe von Kursteilnehmenden motivieren uns 😉

Bewegen und bilden

Das Ausleben unseres Bewegungsdranges, ein menschliches Grundbedürfnis, muss gerade in jungen Jahren und vor allem in Städten im Kontext des dort vorhandenen Auto und Lkw-Verkehrs gesehen werden: Denn zum Erreichen des Parks, der Schule und des Trainings sind häufig noch stark befahrene Straßen zu überqueren, sodass noch viele Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto dorthin bringen. Stadtviertel mit durchgehendem Angebot an Radwegen, sowie reduziertem und verlangsamten Auto- und Lkw-Verkehr tragen wesentlich dazu bei, dass sich viele Menschen für das Radfahren entscheiden können.  

„Schulterblick ist eine der sinnvollsten und spannendsten Aktivitäten bei der wir je teilgenommen haben. Üben in Kleingruppen und Radfahren mitten in der Stadt zwischen anderen Verkehrsteilnehmer:innen, stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Teilnehmer:innen. Ich bin begeistert von diesem Konzept! Denn Radfahren ist nicht nur die nachhaltigste sondern auch die effizienteste Form der Fortbewegung im urbanen Bereich. Gerade darum erscheint es als wichtig schon in jungen Jahren Übung und Erfahrungen zu sammeln, genau das erreicht Schulterblick.“, sagte Georg Laube nach unseren Radfahrkurs mit seiner Schulklasse, er ist Lehrer am Parhamergymnasium in Wien Hernals. 

Es braucht eine ganzheitliche Mobilitätsbildung, die von klein auf altersgerecht Kompetenzen fördert, dadurch Sicherheit schafft und bewusst macht, wie sich unser Mobilitätsverhalten auf uns und unsere Umwelt auswirkt. Ausschlaggebend ist hier, dass zunächst die Eltern als Vorbild wirken, und später breit gefächerte Mobilitätsbildung im Schulunterricht erfolgt – in der Theorie und mit Üben in der Praxis.  

Ermutigen und Befähigen

Das Unterwegssein ist ein großer Teil des Lebens. Wir ermutigen und befähigen Kinder und Jugendliche, statt ihnen Angst zu machen oder sie zu sehr zu behüten. Wir unterstützen sie mit dem Radfahren dabei selbständiger zu werden und wollen sie dafür begeistern, aktiver unterwegs zu sein und ihre weitere Umgebung zu entdecken. Wir vermitteln die Regeln und reflektieren diese mit ihnen, zeigen wie das Verständigen auf unterschiedliche Art möglich ist und wenden das Gelernte im Straßenverkehr an. Wir ermutigen die Kinder dazu die Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen aktiv zu gestalten, denn hierdurch entsteht Sicherheit für sie und alle anderen. Im Zusammenspiel mit den Eltern und Lehrer:innen legen wir den Grundstein dafür, dass Kinder ab dem Alter von zehn Jahren sicher zur Schule Rad fahren können – mit ihren Eltern oder allein.


Dieser Beitrag ist Teil unseres Rückblicks auf 10 Jahre Schulterblick: Wir feiern 10 Jahre!

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